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Diskussionen über das Prostitutionsgesetz reißen nicht ab
Die Prostitutionsgesetzdebatte spaltet wie kein anderes Thema die Frauen. Alice Schwarzer kann sich freuen, ihr neues Buch...... Vor allem in Facebook werden dabei auch Töne angeschlagen, die nicht Netiquette - siehe auch Wikipedia - entsprechen.
Lasst euch nicht spalten!
Es ist möglich, unterschiedliche Ansichten zu haben. Auch zu diesem Thema. "Es ist eine Art Prostitutionskrieg im Gange. Auf der einen Seite Alice Schwarzer, mit ihr verbundene Sozialarbeiterinnen und Ex-Huren, die Prostitution für ein Verbrechen halten, das die Würde von Männern und Frauen zerstört. Sie propagieren die Prohibition. Auf der anderen Seite die Huren, die ihre Arbeit als Dienstleistung begreifen und sich durch die Verbotsforderungen persönlich stigmatisiert und in ihrer Berufsausübung gehindert sehen." (taz)
aus der Taz
BERLIN taz | Die junge Hure stürmt das Podium, auf dem Alice Schwarzer ihre Anti-Prostitutionsthesen schwingt. Sie zieht die Hose herunter, präsentiert ihr Geschlecht von vorne und von hinten und schreit: „Mein Beruf gehört mir! Mein Beruf gehört mir!“ Das Publikum johlt. Sie wird heruntergebeten. Und Alice Schwarzer sagt: „So. Will noch jemand den Po zeigen?“
Erst kommt die rhetorische Aufrüstung, dann der Krieg. Alice Schwarzer stellt ihr Buch „Prostitution – ein deutscher Skandal“ in Berlin unter Polizeischutz vor.
Es ist eine Art Prostitutionskrieg im Gange. Auf der einen Seite Alice Schwarzer, mit ihr verbundene Sozialarbeiterinnen und Ex-Huren, die Prostitution für ein Verbrechen halten, das die Würde von Männern und Frauen zerstört. Sie propagieren die Prohibition. Auf der anderen Seite die Huren, die ihre Arbeit als Dienstleistung begreifen und sich durch die Verbotsforderungen persönlich stigmatisiert und in ihrer Berufsausübung gehindert sehen. An diesem Donnerstag prallen sie aufeinander.
Alice Schwarzer moderiert sich selbstverständlich selbst. Das heißt, sie kann jedem ins Wort fallen, wie es ihr gefällt. Weil sie aber auch eine Rampensau ist, ist das natürlich auch vergnüglich. „So, Kinder, nun seid mal kurz ruhig mit euren süßen rosa Schirmchen. Jetzt reden wir erstmal und dann könnt ihr weiter schreien“, verniedlicht sie die Demonstrantinnen, die sich im Saal verteilt haben und immer wieder buhen und dazwischenrufen: „Weiblicher Machismo.“
Unternehmerinnen oder Opfer?
Beide Seiten nehmen jeweils für sich in Anspruch, für die vielen namenlosen Prostituierten zu sprechen, die sich nicht outen können, weil illegal, oder wollen, weil schwarzarbeitend und/oder stigmatisiert. Sind diese Massen erschöpfte Rumäninnen, die 40 Freier am Tag bedienen müssen, das Geld dem Zuhälter geben und den permanenten Angriff auf ihre Würde nur mit Drogen und Alkohol ertragen?
Oder sind sie Unternehmerinnen, die mangels Ausbildung und/oder Arbeit ein Chance im deutschen Sexbusiness sehen. Eine Chance, Geld für ihre Familien und Kinder zu verdienen, die Alice Schwarzer ihnen nun nehmen will? Bräuchten sie lediglich bessere Arbeitsbedingungen und den Schutz vor Ausbeutung?
Der Krieg ist im Gang. Schwarzer hat einen Appell veröffentlicht, nach dem Freier „wenn nötig“ bestraft werden sollen, zumindest aber „geächtet“ – unterstützt von einigen Promis. Auch einzelne CDU-Frauen stützen den Appell. Auf der anderen Seite formieren sich die Sexarbeiterinnen und Beratungsstellen, von Hydra über Kassandra bis Dona Carmen. Sie gründen einen „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen“, veröffentlichen einen Gegenappell, in dem sie mehr statt weniger Rechte für Prostituierte fordern. Sie haben die Opposition auf ihrer Seite, Grüne, Linke und Piraten stehen hinter ihnen.
Vergleichszahlen aus Schweden fehlen
Ein Kriegsschauplatz sind die Zahlen. Der Menschenhandel habe zugenommen, seitdem die Prostitution legalisiert wurde, behauptet die Schwarzer-Fraktion. Sie beruft sich auf ein Diskussionspapier von der Uni Göttigen für die EU. Darin wird geschätzt, dass es in Deutschland 62-mal so viele Menschenhandelsopfer gibt wie in Schweden, obwohl die Bevölkerung weniger als 10-mal so groß sei. Könnte das auf das Sexkaufverbot in Schweden und die Legalisierung in Deutschland zurückzuführen sein?
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht, wendet Dona Carmen in einer Stellungnahme ein. Denn es gibt aus Schweden keine Vergleichszahlen aus der Zeit vor dem Sexkaufverbot. Zudem, so heißt es auch in der Studie, gebe es immer viele Ursachen für Menschenhandel, man kann nicht eine allein verantwortlich machen. Die offiziellen Zahlen des BKA, das vermutete Menschenhandelsopfer in Deutschland zählt, die polizeibekannt wurden, sprechen ebenfalls gegen die These: Nach der Legalisierung im Jahr 2002 ist diese Zahl um 17 Prozent gesunken.
Hurenorganisationen sehen sich entmündigt
Um diese große Grauzone wird gerungen. Und ganz unten drunter rumort die Frage: Kann man Prostituierte sein ohne sich selbst zu schädigen? Alice Schwarzer ist gut darin, Kronzeuginnen zu sammeln, die sagen: Wir haben auch behauptet wir seien selbstbestimmt. Aber heute wissen wir es besser.
Die Hurenorganisationen Dona Carmen und der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen sehen sich dadurch entmündigt und protestieren: „Nicht nur deutsche Frauen, sondern auch Migrant_innen sind überwiegend freiwillig und selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig. Prostituierte, egal welcher Herkunft, pauschal zu Opfern zu erklären, ist ein Akt der Diskriminierung“, postulieren sie in ihrem „Appell für Prostitution“. Schwarzer diffamiert nun die Organisationen in ihrem Buch, die klagen jetzt vor Gericht wegen Rufmord.
In seltsamem Kontrast zu diesem Krieg stehen übrigens die Vorhaben der Großen Koalition. Verbote? Ächtung? Keineswegs. Die Politik versucht vielmehr, Bordelle etwas stärker zu reglementieren und Menschenhandelsopfer besserzustellen. In der Politik ist der Prostitutionskrieg bisher nicht angekommen. Noch nicht.
LESERKOMMENTARE
Lichtgestalt
Dienstag, 23:32
@Beelzebub [1]:
Die grundsätzliche Einstellung von Frau Alice Schwarzer zu gelebter Sexualität interessiert mich nicht. In Ihrem Punkt fünf starten Sie aber leider eine neue Runde in Mutmaßungs- und Anmaßungsmeisterschaft. „..was hat A.Sch. ..[…] als Alternative zum Gelderwerb zu bieten, […]. Doch wohl nur noch Betteln und Stehlen. Ich kann jede Frau bestens verstehen, die sich unter diesen Umständen lieber prostituiert…“
Falls all die Frauen wirklich nur die Wahl haben zwischen Beelzebub und Teufel, werden sie sich natürlich für Beelzebub entscheiden. Eigentlich wiederhole ich mich nicht gern, aber gelegentlich muss es wohl sein: „Wer mag, soll sich gern einreden, dass er eine gute Tat tut, wenn er die Dienste von Huren in Anspruch nimmt, da er die ja davor bewahrt, andere, elende Arbeiten tun zu müssen oder sogar kriminell werden zu müssen. Jeder Freier ein praktizierender Sozialarbeiter.“
@Beelzebub [2]:
Da ist Mann doch fein raus. Kann er was Gutes tun und muss sich keine Gedanken machen, wie anderweitig das Elend der Welt, das hauptsächlich Frauen und Kinder trifft, gelindert werden könnte.
Dass das System Prostitution historisch aus Geringschätzung von Frauen und dem Un-Bewusstsein entstanden ist, diese sollen gefälligst zur Verfügung stehen, damit Männer ihre Selbstbefriedigung nicht eigenhändig vornehmen müssen, wird ignoriert und es werden Luxusdirnen ins rhetorische Feld geführt. Deren Geschäftsmodell konnte aber erst in einer emanzipierten Gesellschaft entstehen, und die Frauen, die dort „den Spieß umgedreht“ haben (haha), sind nur bedingt „Gegenstand“ der hier geführten Diskussion, obwohl besonders und verständlicherweise just diese so wenig von Zwangs- und Armutsprostitution wissen wollen wie Franz Beckenbauer von Sklavenarbeitern in Katar.
@ jusufina
1. Nein, nicht Sex wird mit Handwerk gleichgesetzt, sondern Sexarbeit. Wenn du den Unterschied nicht kapierst, kannst du hier mit dem Lesen aufhören.
2. Vor die Wahl gestellt, in einem Bergwerk unter Tage, in einer Textilfabrik in Bangladesh oder als Escortgirl zu arbeiten, würde sich jede Frau, die halbwegs bei Verstand ist, für letztere Alternative entscheiden.
3. Ließe man die Maßstäbe, die A. Sch. für Sexarbeiterinnen anlegt, auch für Textilarbeiterinnen gelten, müßte die ganz große Mehrheit hierzulande nackt herumlaufen.
4. Die Behauptung, sämtliche Sexualität unter Jugendlichen bestünde aus Pornokonsum und gekauftem Sex, ist eine an Dummdreistigkeit kaum zu überbietende Lüge, die vor allem auf dich zurückfällt.
5. Auch One-Night-Stands (mit - igitt - Penetration) sind nach A. Sch. des Teufels. Ihre Idealvorstellung eines gleichberechtigten Sexuallebens kann auf Seite 170 im "kleinen Unterschied" (Fischer-Tb Ausgabe) nachgelesen werden: Mann und Frau liegen zusammen im Bett und beide onanieren jeweils für sich. Zum Glück ist A. Sch. nicht nur mit ihrer bescheuerten PorNO-Kampagne krachend gescheitert, sondern auch mit ihrer Vorstellung von emanzipierter frauenfreundlicher Sexualität *schauder*.
5. Last not least: was hat A.Sch. den 150.000, den 300.000 bzw. den 700.000 Prostituierten (in ihrem Machwerk nennt sie mal die eine, mal die
Junge Welt:
Appelle: Gegen Prostitution
(…) Die Reform des Prostitutionsgesetzes 2002, die angeblich den geschätzt 700000 Frauen (Mittelwert) in der Prostitution nutzen sollte, trägt die Handschrift der Frauenhändler und ihrer LobbyistInnen. Seither ist Deutschland zu Europas Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern geworden. (…)
Weltweit sind Frauenhandel und Prostitution, beides untrennbar miteinander verbunden, heute neben dem Waffen- und Drogenhandel das Geschäft mit den höchsten Profitraten (über 1000 Prozent). Profit nicht für die Frauen. Selbst die Minderheit deutschstämmiger Prostituierter, oft schon als Kinder Opfer sexueller Gewalt, landet zu über 90 Prozent in der Altersarmut. Ganz zu schweigen von den Ausländerinnen aus der Armuts- und Zwangsprostitution.
(…) Das System Prostitution brutalisiert das Begehren und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt »freiwilligen« Prostituierten. (…)
