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Die Studie über Kinderarmut ergibt grossen Handlungsbedarf

Von Ingrid Jost

Erschreckende Zahlen ergeben sich aus der regionalen Analyse des neuen Armutsberichtes der Bertelsmann-Stiftung. In Städten wie z.B. Duisburg ist die Kinderarmut überproportional hoch und besonders seit 2005 von 26,7 % der Kinder auf 35,4 % stark gestiegen. Dem leichten Rückgang der Kinderarmut steht ein großer Anstieg in kommunalen Ballungszentren und einzelnen Regionen gegenüber.  Die Armut von Kindern kann nicht losgelöst von der ihrer Eltern betrachtet werden, die in immer mehr schlecht bezahlte Arbeitsverhältnissen ums Überleben kämpfen oder wegen irgendwelcher 400 €-Jobs und Arbeitsmaßnahmen dauerhaft in Armut leben müssen. Trotz der Problemlage werden die Arbeitsmarktmittel für Langzeitarbeitslose immer weiter gekürzt und die Betroffenen häufig in prekäre Arbeitsplätze ohne Perspektive gedrängt.

 Wir brauchen anständig bezahlte Arbeit für alle. Dabei helfen kann ein gesetzlicher Mindestlohn über 10€ und die Abschaffung oder Verteuerung von Leiharbeit. Die  Bundesregierung muss  Arbeitsmarktmittel zur Schaffung tariflich bezahlter Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst zur Verfügung stellen, statt Arbeitgebern die Dumpinglöhne im Niedriglohnsektor durch Aufstockung mit Steuergeldern zu subventionieren. Seit 2005 flossen über 50 Milliarden Steuergelder in den Niedriglohnbereich, um das Überleben der  Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihren Familien auf niedrigstem Niveau abzusichern. Arbeitnehmerinnen im Niedriglohnsektor, sowie Erwerbslose und deren Familien brauchen wieder eine Perspektive durch die Verbesserung der sozialen Grundsicherung und Beschäftigungsverhältnisse, bei denen die Betroffenen nicht arm trotz Arbeit bleiben. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung mit regulären tariflich bezahlten Arbeitsplätzen ist ebenfalls dringend notwendig, damit der Einstieg von Frauen in die Vollzeitbeschäftigung nicht zu Lasten anderer Frauen erfolgt, die die Kinderbetreuung unter prekären Bedingungen abdecken. Besonders Alleinerziehenden fehlen häufig Betreuungsangebote, die die Aufnahme einer Vollzeitbeschäftigung ermöglichen.

Das Einkommen der Eltern hat Auswirkungen auf die Lebenssituation von Kindern und wie Studien nachgewiesen haben, hat die soziale Situation auch Auswirkungen auf deren Bildungschancen. Wer armen Kindern wirklich schnell und ohne großen bürokratischen Aufwand helfen will, der kann das Kindergeld anrechnungsfrei gewähren. Wer dagegen vorrangig den Fortbestand von Bildungsträgern und Einrichtungen absichern möchte, der diskriminiert erwerbslose Eltern, erklärt sie für unfähig, ihre Kinder selbst anständig zu erziehen und kann so über das vorenthaltene Kindergeld verfügen um andere Hilfs- und Beratungsprojekte zu finanzieren.

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