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Christel Buchinger schreibt zum Thema Prostitution
ich habe einen Leserbrief an die Junge Welt verfasst, den ich euch nicht vorenthalten will.
herzlich
christel
*Ei, da können sich die Sexkäufer aber freuen, denn: „Freier sind nicht
das Problem“!*
Die Junge Welt tut sich ansonsten ja nicht sehr hervor in der Diskussion
um Prostitution. Wenn es aber bei ihr Veröffentlichungen gibt, sind sie
eher auf der Seite jener Neoliberalen, die für die Freiheit der
Prostitution streiten, natürlich in Form des Kampfes für die Freiheit
der Prostituierten. Den Freiheitskampf für die Prostitution lässt sich
die Junge Welt gerne von einer Frau bzw. gleich von zweien führen, von
der Autorin des Buches und der Rezensentin.
Dass Deutschland nicht nur das weltweite Zentrum der Prostitution
geworden ist, sondern auch das Zentrum des damit zusammenhängenden
Frauen- und Kinderhandels und der Versklavung, dass damit hier
Abermilliarden verdient werden, dass Unternehmen, ja ganze Konzerne,
„natürlich“ überwiegend in Männerhand, sich der Ausbeutung der
Sexarbeiterinnen und der Sexsklavinnen widmen, ist für die Autorin und
die Junge Welt offenbar kein Problem. Vielleicht erinnert sich einer der
Redakteure daran, dass Marx bei Arbeiterinnen und Arbeitern von
Lohnsklaven sprach? Weil der Verkauf der Arbeitskraft freiwillige
Sklaverei ist, Zeitsklaverei sozusagen. Aber die Sexarbeiterinnen
arbeiten freilich selbstbestimmt, ja?
Schnell wird auch das Verbotsschild zur Prostitutionslobby aufgestellt.
Über deren Existenz soll am besten nicht geredet werden, so wenig wie
über Verschwörungen, wo man sich die Kennzeichnung als
VerschwörungstheoretikerIn einhandelt. Schnell wird deshalb der Verdacht
genährt, die Kritikerinnen wollten die Freiheit der Frauen einschränken,
träten für prüden Sex ein und kleideten sich geschmacklos. Wie überhaupt
Kritikerinnen der Prostitution nur mit Häme zu rechnen haben.
Die skandinavische Herangehensweise wird nicht einmal erwähnt. Nein,
„ein Kampf gegen die Prostitution ist immer einer gegen die Ausübenden“.
Allein diese Aussage ist geeignet, das Buch und die Rezension dem
Bereich der Propaganda zuzuordnen.
Die Schwedinnen und Schweden haben hingegen darüber nachgedacht, was das
für Geschlechterverhältnisse sind, in denen Männer bei Frauen Sex
kaufen. Denn der Handel ist immer einseitig. Die Frauen brauchen das
Geld zum Leben und die Männer haben es übrig.
Und die Männer bei der Jungen Welt, die Redakteure und Mitarbeiter? Wie
fühlt Ihr Euch in einer Welt, in der nicht wenige Männer sich
Sexsklavinnen auf Zeit kaufen, gegen Geld vergewaltigen? Habt Ihr kein
Bedürfnis, Euch von diesen Typen abzugrenzen? Oder gehört ihr dazu? Ein
bisschen mehr Dissidenz in der Geschlechterfrage und Distanz zu euren
Geschlechtsgenossen würde Euch gut tun! Sofern Ihr das hinkriegt.
Christel Buchinger und Thomas Hohnerlein
Medelsheim/Saar
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