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Von allem die Hälfte ist nicht genug. Frauen brauchen eine andere Welt

(Bremen) Frauen arbeiten mehr als Männer.

Frauen sind häufig doppelt- und dreifach belastet, mit Beruf, Familie und ehrenamtlichem Engagement. Feierabend, Urlaub und geregelte Arbeitszeiten sind dabei Fremdwörter.

Auch im Beruf sind es oft die Frauen, die sich um den sozialen Zusammenhalt und um andere kümmern, während die Männer sich vor allem um sich selbst und ihren Berufsweg kümmern.

Trotz ihrer Mehrarbeit haben Frauen meist weniger Geld und Einfluss. Sie verdienen weniger – oft zu wenig, um davon selbständig und unabhängig leben zu können. Der Anteil der Frauen an Reichtum und Vermögen liegt im Mikrobereich . In der Politik und vor allem in der Wirtschaft sind es überwiegend Männer, die an den Entscheidungspositionen sitzen.

Viel Arbeit, die sich nicht auszahlt und kaum anerkannt wird – das ist der Kern der ungleichen Arbeitsteilung, die wir Patriarchat nennen und die die Grundlage der kapitalistischen Wirtschaftsweise ist. Frauen haben in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen die rechtliche Gleichstellung durchgesetzt. Ohne eine Veränderung der ungleichen Arbeitsteilung reicht das aber nicht.

In der gesamten Arbeits-, Alltags- oder Lebenswelt gelten Normen, die Männer erdacht, festgelegt oder als allgemeingültig erklärt haben. Maßstäbe, die in der Regel auf die finanzielle Verwertbarkeit von Arbeitskraft hin ausgelegt sind. Nur Frauen, die diesen kapitalistisch-männlichen Ansprüchen “genügen“, haben eine Chance, an den Privilegien teilzuhaben.

Dadurch nimmt auch die Ungleichheit zwischen Frauen zu –   vor allem auf der Grundlage von sozialer oder geografischer Herkunft. Gesellschaftliche Auseinandersetzungen um Sozialstaat und Integration werden auf dem Rücken von Frauen ausgetragen. Es sind Frauen, die Berufsverbote erhalten, weil sie Kopftuch tragen; es sind Frauen, die als „Hartz-IV-Mütter“ diskriminiert werden.

LINKE Frauen wollen mehr als die Hälfte – mehr als formale„Gleichberechtigung“! Wir wollen eine andere Welt: eine freie und solidarische Gesellschaft für alle Menschen. Deshalb fordern wir wirksame Maßnahmen gegen die ungleiche Arbeitsteilung, für eine veränderte frauenbestimmtere Arbeitswelt, gegen Gewalt und Diskriminierung.

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

Der durchschnittliche Frauen-Arbeitsplatz wird um knapp ein Viertel schlechter bezahlt als der durchschnittliche Männer-Arbeitsplatz. Die Lohnlücke liegt in Deutschland bei 23,2 Prozent, im Europäischen Durchschnitt dagegen bei 15 Prozent.  In Bremen ist die Lohnlücke mit durchschnittlich 26 Prozent größer als in anderen Bundesländern.

Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen, im Erziehungs- und Gesundheitswesen, im Einzelhandel, im Reinigungsgewerbe, in gemeinnützigen Betrieben. Für solche "Frauen-Dienstleistungen" möchte die patriarchal-kapitalistische Gesellschaft  nicht viel ausgeben. Für viele „Frauenberufe“ im Dienstleistungsbereich wie zum Beispiel Arzthelferinnen und Rechtsanwaltsfachangestellte gibt es keine Interessensvertretungen und somit auch keine Tarifverträge. Das drückt die Löhne und Gehälter. Frauen arbeiten zudem oft in Kleinbetrieben, in denen kein Kündigungsschutz gilt. Die  permanente Bedrohung einer betriebsbedingten Kündigung trägt dazu bei, dass es in vielen sogenannten „Frauenberufen“ seit Jahren keine messbaren Gehaltserhöhungen oder Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gegeben hat.

Deshalb fordert DIE LINKE:

    * Berufe, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, müssen deutlich besser bezahlt werden!
    * Die unterschiedliche Wertung verschiedener Bereiche von Erwerbsarbeit muss grundsätzlich in Frage gestellt werden!

Geschlechtliche Arbeitsteilung aufheben!

Kindererziehung, Versorgung der Familienmitglieder mit Essen, Kleidung und Zuwendung, Einkaufen und Saubermachen, Betreuung und Pflege, Zuhören, Probleme lösen und aufs Geld achten – all das gehört zur „unsichtbaren“, unbezahlten Arbeit, die vorwiegend von Frauen geleistet wird, die sogenannte „Reproduktionsarbeit“. Ohne diese Arbeit geht nichts. Wer sie macht, leistet gesellschaftlich absolut Notwendiges – und ist trotzdem übel dran. Bezahlt wird diese Arbeit nicht. Sie ist ein Nachteil. Weil Männer wenig Reproduktionsarbeit machen, können sie sich auf Beruf und „Karriere“ konzentrieren. Weil Frauen viel Reproduktionsarbeit machen, arbeiten sie oft in Teilzeit, bekommen die schlechteren Posten, haben nicht die „richtigen Verbindungen“, sind abhängig von Männern. Vor allem aber wird “Frauenarbeit“ nicht anerkannt. Soziale Berufe werden z.B. weit schlechter bezahlt als Fertigungsberufe.

DIE LINKE fordert:

Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich für alle!Männer sollen den gleichen Anteil an Reproduktionsarbeit übernehmenAbschaffung frauentypischer Nachteile bei Rente und Wiedereinstieg in den Beruf!Teilzeitarbeit ohne Einbußen bei Rentenansprüchen und Versicherungsleistungen!

Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache

Sexismus und Gewalt gegen Frauen und Mädchen gehören immer noch zum täglichen Alltag, in der Öffentlichkeit, im Arbeitsleben oder in Partnerschaften. Überall auf der Welt wird die körperliche und seelische Unversehrtheit von Frauen und Mädchen, quer über alle sozialen Klassen sowie kulturellen und religiösen Grenzen hinweg, verletzt. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist keine Privatsache, sondern Ausdruck patriarchaler Unterdrückung und einer Gesellschaft, die auf vielen Ebenen frauenfeindlich ist.

Gewalt gegen Frauen ist das weltweit verbreitetste und alltäglichste Menschenrechtsproblem.

Deshalb fordert DIE LINKE:

Gewalt gegen Frauen muss überall thematisiert und unmöglich gemacht werden!Der rechtliche Schutz von Frauen gegen Gewalt muss gestärkt werden!Einrichtungen wie Frauen- und Mädchenhäuser, Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe dürfen der Kürzungspolitik nicht zum Opfer fallen!

Mit Feminismus gegen den Kapitalismus

Es gibt heute mehr weibliche Rollenvorbilder mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und Erfolgsbiografie denn je.  Frauen machen die besseren Schul- und Bildungsabschlüsse. Die Medien überliefern uns Frauenbilder, die Geschlechterklischees aufbrechen. Die gleichstellungspolitischen Fortschritte, die sich in vielen schillernden Frauen und ihren Bilanzen spiegeln, wollen wir nicht leugnen.

Gleichwohl bezweifeln wir jede Form von Feminismus, die sich mit der Herausbildung weiblicher Job-Eliten zufrieden gibt. Wer meint, dass Frauen heute alles erreichen, haben, sein und genießen können, der ignoriert, dass die Realität für die breite Mehrheit anders aussieht, und tendenziell sogar schlechter wird. Einzelvorbilder wie die „kinderreiche, gut gelaunte Karrierefrau mit Hobbies und Ehrenamt“ werden auch deshalb stark gemacht, damit das sozial gespaltene – und vielfach frauenfeindliche –„große Ganze“ nicht gesehen wird.

DIE LINKE will Strukturen abschaffen, die von Frauen grundsätzlich mehr abverlangen als von Männern, die Frauen im Durchschnitt schlechter bezahlen, die Frauen mit der Reproduktionsarbeit allein lassen, die Frauen ausbeuten, missachten und verletzen.

Feminismus ist aus unserer Sicht ein klassenbewusstes, solidarisches und Menschlichkeit einklagendes Programm, und keines, das sich die Konkurrenz- und Leistungsprinzipien des patriarchalen Kapitalismus zu eigen macht.

Wofür DIE LINKE steht

Armut und ungesicherte Beschäftigung bekämpfen. Benachteiligte Stadtteile fördern. Migrantinnen entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil im öffentlichen Dienst einstellen.Kinderbetreuungsausbau bei unter 3-Jährigen, Kitas und Horten. Dies muss auch Früh- und Spätdienste mit einschließen. Das Betreuungsangebot muss für Geringverdienende kostenlos sein. Ausbau der Ganztagsschulen gerade im Grundschulbereich.Spezifische Unterstützung der Alleinerziehenden und jungen Mütter.Vergabegesetz : Die Vergabe öffentlicher Gelder muss daran gekoppelt sein, dass die Quote eingehalten wird, dass Frauen die gleichen Gehälter bekommen und auf allen Gehaltsstufen gleichermaßen berücksichtigt werden.Aufstockung der Mittel für Frauenberatungsstellen, Frauen-Notrufe und Frauen- und Mädchenhäuser.Erhalt und Ausbau der Mütterzentren durch institutionell abgesicherte Förderung.Radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich (30-Stunden-Woche) für alle.