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Katja Kipping

Katja Kipping

Katja Kipping Partei-Vorständin Die Linke und im Bundestag beantwortet unsere Fragen.

 

• Feminismus bedeutet für mich Freiheit. Frei sein von Diskriminierung und Abwertung.

• Feminismus bedeutet Grenzen zu überschreiten und Mauern einzureißen.

• Feminismus bedeutet aber für mich auch Solidarität, Spaß und Freundinnen zum Pferde stehlen. Da sind schon viele gute Assoziationen dabei.

• Feminismus ist die Antwort auf die ungerechte Verteilung von Macht, Geld, Zeit und Anerkennung zwischen den Geschlechtern.

• Feminismus will mit dieser Ungerechtigkeit aufräumen und die Ressourcen gleich verteilen.

 

  • Welche Bedeutung hat Feminismus für dich?

Feminismus bedeutet für mich Freiheit. Frei sein von Diskriminierung und Abwertung. Er bedeutet für mich auch frei darin zu sein, Entscheidungen selbst zu treffen und selbstbestimmt Ja und Nein zu sagen. Feminismus bedeutet Grenzen zu überschreiten und Mauern einzureißen. Feminismus bedeutet aber für mich auch Solidarität, Spaß und Freundinnen zum Pferde stehlen. Da sind schon viele gute Assoziationen dabei.

  • Mit welchen Argumenten würdest du für Feminismus werben?

Feminismus ist die Antwort auf die ungerechte Verteilung von Macht, Geld, Zeit und Anerkennung zwischen den Geschlechtern. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, sind seltener in Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft vertreten und leisten den Großteil der Sorge- und Familienarbeit. Feminismus will mit dieser Ungerechtigkeit aufräumen und die Ressourcen gleich verteilen. Ein linker oder auch marxistischer Feminismus geht hier an die Wurzel und will nicht nur die ungleiche Verteilung von Tätigkeiten ändern, sondern auch die Produktionsweise, die diese ungleiche Verteilung bedingt und fördert: der Kapitalismus. Denn in einem Wirtschaftssystem, in dem die Herstellung von Dingen wertvoller scheint als die Arbeit am Menschen, läuft etwas grundsätzlich falsch. Feminismus will die Sorgearbeit in den Mittelpunkt stellen und dafür mehr Zeit für alle einräumen. Feminismus will auch Männern die Möglichkeit geben, sich an der wertvollen Familienarbeit zu beteiligen. Damit das möglich wird, brauchen wir eine radikale Arbeitszeitverkürzung in der Lohnarbeit. Ein Einstieg wäre eine 4-Tage-Woche. Schon heute wäre so eine Arbeitszeitverkürzung möglich, sogar so radikal, dass nicht nur mehr Zeit für Familie und Freund*innen bleibt, sondern auch für Hobbies und Erholung und auch, um sich politisch zu engagieren. Die marxistische Feministin Frigga Haug nennt das die 4-in-1-Perspektive.

  • Wie integrierst du feministische Anliegen in deinen Alltag?

Das versuche ich an vielen Stellen, aber es ist natürlich nicht immer einfach. An einer Stelle klappt es aber ziemlich gut. Für meinen Mann und mich war von Anfang an klar, dass wir uns fifty-fifty die Familienarbeit einteilen. Die eigene Praxis kann auch andere motivieren, patriarchale Rollenmuster in Frage zu stellen. Die Emanzipation der Geschlechter ist ein Abenteuer. Und wie es mit Abenteuern eben so ist: nicht immer läuft alles glatt. Manchmal frustet die Terminplanung, manchmal stellen wir überrascht fest, dass die alten Rollenmuster auch in uns ihre Spuren hinterlassen haben. Unterm Strich hat dieses gemeinsame Abenteuer viele schöne und unvergessliche Erlebnisse hervorgebracht.

  • Welche Frage bewegt dich, wenn es um das Thema Feminismus geht?

Was mich persönlich bewegt, oder besser aufregt, ist, wenn ich immer wieder mitbekomme, dass Frauen weniger ernst genommen werden als Männer. Wer hat das nicht schon erlebt, dass der Vorschlag einer Frau in einer Gruppendiskussion übergangen wird und sobald ein Mann in der Runde den Vorschlag wiederholt, großes Nicken folgt – vor allem von anderen Männern. Ich glaube, hier ist es besonders wichtig, dass Frauen sich zusammentun und in solchen Situationen unterstützen. Ein anderes Thema ist die zunehmende Armut von Frauen – und das in einem so reichen Land wie Deutschland. Alleinerziehende Mütter sind besonders von Armut betroffen. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen insgesamt häufiger in Teilzeit arbeiten und den Großteil im Niedriglohnsektor ausmachen. Als Alleinerziehende ist es besonders schwer, überhaupt eine Anstellung zu finden, die mit den Ansprüchen ans Muttersein zu vereinbaren ist. Neben Mindestlohn und Kindergrundsicherung, wäre eine mögliche Lösung hier die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens, damit niemand unter die Armutsgrenze fällt.

  • In welcher Weise bringst du Feminismus in deine politischen Themen ein?

Ständig. Das beginnt damit, dass ich in Reden und Texten möglichst oft Beispiele wähle, die die Realitäten von Frauen einfangen oder die traditionelle Rollenaufteilung zwischen Frauen und Männern in Frage stellen. Das geht weiter, wenn ich über historische Bezugspunkte wie den New Deal spreche oder twittere und dabei auf Leistungen von daran beteiligten Frauen verweise, z.B. auf die erste Arbeitsministerin in den USA, Francis Perkins, um so dem Verschweigen von Frauen entgegenzuwirken.

Seit langem setze ich mich zudem für eine notwendige Arbeitszeitverkürzung ein. Im vergangenen Sommer habe ich einen Vorstoß in der Debatte um eine 4-Tage-Woche gemacht, der viel Resonanz hervorgerufen hat. Unter anderen hat sich Jörg Hofmann, der Vorsitzende der IG Metall, dieser Forderung angeschlossen, was mich sehr gefreut hat. Zusammen mit Wissenschaftler:innen und linken Politiker:innen aus Europa habe ich im Herbst einen internationalen Aufruf für eine 4-Tage-Woche veröffentlicht. Die Debatte um Arbeitszeitverkürzung wird längst international geführt. Jetzt in der Corona-Pandemie wird die ungerechte Verteilung der Lohn- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern besonders sichtbar, denn es sind vor allem Frauen, die unter der Mehrfachbelastung von Job und Kinderbetreuung leiden, während KiTas und Schulen geschlossen sind. Damit wir auf die nächste Krise besser vorbereitet sind, sollten wir uns als Gesellschaft besser vorbereiten und das heißt eben auch, die aktuelle Art und Weise wie wir Leben und Arbeiten grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen.

Liebe Katja die BAG LiSA dankt dir herzlich für Deinen Beitrag