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Jan van Aken

Ehemals für Die Linke im Bundestag

Friedenspolitisch, umweltpolitisch und feministisch engagiert:

 

"Ich glaube, die Pandemie ist ein Verstärker, in fast allen Lebenssituationen. Ob nun Gewalt in der Partnerschaft, Abschiebung der Verantwortung für die Kinder auf die Frau, oder die Beschäftigten im Gesundheitswesen und an der Supermarktkasse - die Pandemie hat wie ein Brennglas die existierenden Probleme noch mal richtig deutlich gemacht - und verschärft."

  • Welche Bedeutung hat Feminismus für dich?

Er ist leider eine Notwendigkeit. Leider, weil feministische Arbeit ja nur deshalb notwendig ist, weil es nach wie vor auf allen Ebenen - ob nun ökonomisch, sozial, in Machtstrukturen oder anderen zwischenmenschlichen Beziehungen - ein erhebliches Gefälle zwischen Männern und Frauen gibt. Ein Gefälle, das durch Männerbünde, geschlechtertypische Erziehung und tausend andere Mechanismen immer wieder erneuert und gestärkt wird. Diese Mechanismen zu durchbrechen ist Aufgabe von Männern wie von Frauen. 

  • Mit welchen Argumenten würdest du für Feminismus werben?

Hmmm - ich weiß gar nicht, ob ich für Feminismus werbe, oder nicht eher für die konkreten Anliegen: Gleichberechtigte Vertretung, gleiche Lebens- und Einkommensverhältnisse, gleichberechtigte Kommunikation und vieles mehr. Mein zentrales Argument ist: Zusammen sind wir stärker, Männer können viel von Frauen lernen, und andersrum genauso. Und nur, wenn wir auf Augenhöhe sind - und dazu gehört am Ende auch der gleiche Lohn zum Beispiel - können wir auch wirklich ernsthaft voneinander lernen.

  • Wie integrierst du feministische Anliegen in deinen Alltag und in welcher Weise bringst du Feminismus in deine politischen Themen ein?

Immer und überall reflektieren, wie in einer konkreten Situation das Geschlechterverhältnis gerade ist, und sich für eine geschlechtergerechte Lösung einsetzen. Ob das nachts im Dunkeln auf der Straße ist, in einer Diskussion im Parteigremium, in einer Liebesbeziehung oder bei Überlegungen zu Gehaltsstrukturen im öffentlichen Dienst. Wenn du dabei die Geschlechterfrage, die existierenden Machtgefälle und die gläsernen Decken nicht mitdenkst, machst du was falsch.

  • Welche Frage bewegt dich, wenn es um das Thema Feminismus geht?

Wie lang der Weg noch ist, den wir zu gehen haben. Wir klopfen uns heute als Gesellschaft auf die Schulter, wenn wir auf die 1970er Jahre in Westdeutschland zurückblicken, was wir alles geschafft haben. Ja, Frauen müssen ihren Mann nicht mehr fragen, wenn sie arbeiten oder Fußball spielen wollen. Und ja, es gibt sogar Professorinnen. Und andererseits sind es in manchen Fächern immer noch weniger als 10%, es gibt immer noch den riesigen pay gap, überall finden wir schlimme Mackerstrukturen in Diskussionen (ja, auch in der LINKEN), und selbst in einem progressiven Umfeld sehen wir, dass Frauen deutlich mehr Care-Arbeit übernehmen, von Kinder-Auszeiten ganz zu schweigen. Was mich daran ein wenig versöhnt: Wenn meine Kinder in 50 Jahren zurückblicken, werden sie es wahrscheinlich ähnlich sehen, aber dann wieder auf einem deutlich höheren Niveau als noch 1970. Es entwickelt sich etwas, und das ist gut so. Aber es braucht unsere tägliche Arbeit, es auch weiter voranzutreiben.

  • In welcher Weise beeinflussen nach Deiner Einschätzung die Entscheidungen, die während der Pandemie getroffen worden sind, die Situation von Frauen?

Ich glaube, die Pandemie ist ein Verstärker, in fast allen Lebenssituationen. Ob nun Gewalt in der Partnerschaft, Abschiebung der Verantwortung für die Kinder auf die Frau, oder die Beschäftigten im Gesundheitswesen und an der Supermarktkasse - die Pandemie hat wie ein Brennglas die existierenden Probleme noch mal richtig deutlich gemacht - und verschärft.

Lieber Jan die BAG LiSA dankt dir herzlich für Deinen Beitrag