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Ingrid Jost

„Feministisch miteinander die Welt verändern“

Der digitale Empowerment-Workshop am 20.12.20 unter der Leitung von Julia Lemmle kann durchaus als ein gelungener Start für dieses Vorhaben beschrieben werden. Frauen* aus 12 verschiedenen Bundesländern von 19 bis 76 Jahren tauschten sich darüber aus, welch wichtige Rolle ein gelingender Umgang miteinander spielt, um aus dem Konkurrenzdenken auszusteigen und bestärkende Zusammenarbeit zu praktizieren.

Auch wenn es den Anschein hat, dass wir die äußeren Umstände nicht ändern können, so können wir doch unsere Einstellung dazu ändern. Der erste Schritt aus der scheinbaren Ausweglosigkeit ist das Besinnen auf die eigenen Stärken. Aufgewachsen in einer Kultur, die den Zeigefinger stets auf die jeweiligen Fehler richtet, ist es eine ungewohnte Übung, insbesondere für Frauen*, zu sagen: „das kann ich gut“. Ich kann mich noch gut an die elterliche Begleitmusik von der Zier der Bescheidenheit erinnern. Obwohl viele Teilnehmende viel jünger waren als ich, scheint diese Übung auch bei ihnen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

Wer in der letzten Zeit an scheinbar endlosen digitalen Konferenzen teilgenommen hat, war positiv überrascht, dass sich dieser Workshop angenehm davon unterschied. Die notwendige Balance zwischen Körper und Geist wurde nicht nur theoretisch vermittelt, sondern zur Verbesserung der Kommunikation auch praktiziert. Mit lauten und leisen Tönen zu spielen und sich den notwendigen Raum zu nehmen, das würde so manche langatmige Sitzung zum Positiven verändern, ganz gleich ob auf Bundes-, Landes- oder Kreisverbandsebene.

Die Botschaft, dass nur diejenige gut für andere sorgen kann, die auch gut für sich selbst sorgt, ist angekommen. Dazu gehört auch das Nein-Sagen ohne Skrupel, das vielen Frauen* nicht so leicht über die Lippen geht. Sich nicht einlassen auf Dinge, die wir nicht wollen, scheint so einfach zu sein. Doch weil das gute Recht auf Abgrenzung häufig so schwer fällt, klingt das „Nein“ manchmal sehr viel schroffer oder auch unsicherer, als beabsichtigt. Ein klares „Nein“ in Übereinstimmung mit der entsprechenden Körperhaltung und Kraft in der Stimme ist die Post, die ankommt. Nein sagen und in der Beziehung zu bleiben ist die Kunst der Empathie.

Verschiedene Methoden sich in Konfliktsituationen zu verhalten waren der „heiße Höhepunkt“ des Workshops. Die Erkenntnis, dass nicht jede Methode gleich gut geeignet ist, war für einzelne Teilnehmende überraschend. Auch die anschließende Reflexion in Zweiergesprächen brachte so manche förderlichen Erkenntnisse.

Alles in allem eine runde Sache mit der einen oder anderen Verbindung darüber hinaus,  ein feministisches Netzwerk trotz z.T. unterschiedlicher Sichtweisen und Bedürfnisse. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.