"Ein sehr reduzierter Blick auf das Hilfesystem“
24. November 2013 14:34
Gemeinsame Stellungnahme von Stadt und Diakonie zu den Artikeln "Frauen bleiben auf der Strecke" und "Wie ein Stadtstreicher" vom 21. November
Fälschlicherweise entsteht durch die Berichterstattung zum Thema „Wohnungslosigkeit von Frauen“ ein sehr reduzierter Blick auf das Recklinghäuser Hilfesystem für von Obdachlosigkeit bedrohte oder gar schon obdachlose Frauen. Sie müssen den Eindruck haben: Für den Fall der Fälle bleibt mir nur die Notschlafstelle. Allerdings steht die Notschlafstelle für Frauen im Recklinghäuser Hilfesystem ganz am Rande und soll nur für wenige Nachtstunden oder maximal für ein Wochenende ein Dach über dem Kopf bieten. Falsch ist daher die pauschale Behauptung in dem Artikel, dass die Stadt für wohnungslose Frauen einen Raum bereithält. Dieser angebliche Hinweis von Frauenberatung und Gasthaus hätte nur für die erste Nacht gegriffen, denn danach wäre die Frau von den Mitarbeitern des Diakonischen Werks betreut und untergebracht worden. Zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit haben die Stadt Recklinghausen und das Diakonische Werk nämlich seit vielen Jahren ein weit verzweigtes Hilfesystem entwickelt, das auch den Redaktionen vor Ort durch viele Recherchen bestens bekannt sein sollte. Im Hilfesystem enthalten sind zum Beispiel die Unterbringung im Forsthaus oder in Ad-hoc-Wohnungen, außerdem die Betreuung durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Hier wird Frauen wie Männern geholfen. Dem Vorwurf, dass „Frauen auf der Strecke bleiben“, treten Stadt und Diakonisches Werk entschieden entgegen. Natürlich ist jeder Fall von vermeidbarer und nicht selbst gewählter Wohnungslosigkeit ein Fall zu viel. Allerdings handelt es sich hierbei um Einzelfälle. Dennoch wird an den Stellen optimiert, wo es nötig ist: Es wird eine Informationsbroschüre neu aufgelegt, die alle wichtigen Telefonnummern für solche Fälle enthält. Zusätzlich wird die Zahl der Stellen erhöht, die einen Schlüssel für die Notschlafstelle bereithalten, wenn es doch einmal zu akuter Obdachlosigkeit am Abend oder in der Nacht kommen sollte. Grundsätzlich rät die Verwaltung allen Frauen und Männern, die in absehbarer Zeit obdachlos werden könnten, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Um angemessenen Wohnraum zu sichern und Wohnungslosigkeit zu verhindern bzw. zu beheben, können sich Betroffene an den Fachbereich Soziales, Arbeit und Wohnen – Hilfe zur Wohnungssicherung - im Stadthaus A wenden. Sowohl bei drohender Wohnungslosigkeit als auch bei akuter Obdachlosigkeit sind allerdings zwei Dinge gefragt: der Wille zur Selbsthilfe im Rahmen der Möglichkeiten des/der Betroffenen und die Bereitschaft, bei Hilfe von außen bestimmte Spielregeln einzuhalten. Die Protagonistin des Artikels, Vera Kaufmann, war mit größter Wahrscheinlichkeit Anfang Oktober in der Beratungsstelle der Diakonie. Sie hat sich nach der ersten Vorsprache aber nicht wieder gemeldet. Deshalb ist sie „durch das soziale Netz“, das in Recklinghausen definitiv vorhanden ist, gefallen.